Zusammenschluss der ARA Wartau an die ARA Sargans

Wartauer für Zusammenschluss

2018 haben die Stimmberechtigten der Gemeinde Wartau einem Zusammenschluss mit der ARA Sargans und einem Kredit in der Höhe von CHF 7‘9 Mio. für den Neubau einer Verbindungsleitung und Pumpwerke zugestimmt.

Gründe für den Zusammenschluss

Die Abwasserreinigungsanlage Wartau muss in den nächsten Jahren umfassend saniert werden, damit der Betrieb gesichert ist und die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden können. Der Gemeinderat Wartau hat in diesem Zusammenhang durch die Kappeler Concept AG prüfen lassen, ob für ein gemeinsames Vor­ge­hen zur Abwasser­reinigung ein Anschluss an eine der beiden grösseren Anlagen in der Region, d.h. der ARA Sargans oder der ARA Buchs möglich wäre.

Da bei beiden Anschlussvarianten das Abwasser nach Buchs oder nach Sargans gepumpt werden muss, spielt es keine Rolle, an welche ARA angeschlossen wird. Mit einem Anschluss an die ARA Sargans wird die jahre­lange Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Betriebsleiter fortgesetzt.

Der Nutzen

Bei einem Anschluss an die ARA Sargans werden die Gesamtkosten für die Abwasserreinigung des Abwas­ser­verban­des Saar und der Gemeinde Wartau um knapp 10 % niedriger ausfallen.

Die Abwasserreinigung und Schlammbehandlung in der ARA Sargans mit CHF 116.00 pro Einwohner und Jahr ist deutlich tiefer ist als bei der ARA Buchs (CHF 150) und Wartau (CHF 148).

Aus einem gemeinsamen Betrieb der Abwasserreinigung ergeben sich weitere Vorteile:

  • Tiefere Betriebskosten pro m3 Abwasser dank rationellem Betrieb
  • Langfristig günstigere Gebührenentwicklung als im Alleingang;
  • Bessere Abwasserreinigungsleistung;
  • Technische Fortschritte können besser umgesetzt werden;
  • Die Betriebsführung wird effizienter;
  • Künftige Investitionen werden pro Einwohner/-in günstiger;
  • Höhere Betriebssicherheit;
  • Reduktion von Emissionen (Geruchsbelästigungen) an beiden Standorten;
  • Energieeffizienterer Betrieb
  • Möglichkeit der Umnutzung Areals der ARA Wartau

10 Gute Gründe für einen Anschluss an die ARA Sargans

Erfahrungen haben gezeigt, dass eine gemeinsame Abwasserreinigung betrieblich, wirtschaftlich und öko­lo­gisch deutliche Vorteile bietet. Dies bestätigen auch umfassende Benchmarks des VSA (Verband schwei­ze­rischer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute).

Wirtschaft

  • Investitionskosten sind deutlich geringer als bei einer Sanierung:  CHF6000’000.-
  • Die Kosten für den Ersatz von Ausrüstungen nehmen deutlich ab und verteilen sich auf alle Mitglieder des Abwasserverbandes
  • Der Energieverbrauch pro m3 Abwasser ist auf der ARA Sargans deutlich geringer
  • Der Unterhalt der beiden Pumpwerke braucht deutlich weniger Personal als der eigenständige ARA Betrieb

Ökologie

  • Die ARA Sargans entlastet in den Vilters-Wangser-Kanal, daher keine Belastungen mehr für den Mühlbach. Aus Platzgründen kann die ARA Wartau nicht beliebig erweitert werden
  • Während der Bauphase gibt es keine Einschränkungen in der Abwasserreinigung und nach Fertigstellung keine wöchentlichen Klärschlammtransporte mehr
  • Die ARA Sargans kann wirtschaftlicher, sicherer, ökologischer und professioneller betrieben werden
  • Der Zusammenschluss bringt eine deutliche Verbesserung für den Gewässerschutz

Gesellschaft

  • Der Zusammenschluss der beiden Abwasserbetriebe ist perfekt auf die Anforderungen und Bedürfnisse des erweiterten Einzugsgebiets abgestimmt
  • Die gemeinsame ARA Sargans ist für künftige Anforderungen (Mikroverunreinigungen) und Bedürfnisse gerüstet

Das finanzielle Konzept

Die betriebswirtschaftliche Überprüfung durch einen Experten zeigt, dass die Betriebskosten (inkl. Kapitalkos­ten) bei einem gemeinsamen Betrieb deutlich geringer ausfallen als bei der Weiterführung der ARA Wartau. Für die Um- und teilweisen Rückbaukosten der ARA Wartau und die Kosten für den Leitungsbau nach Sargans wird die Gemeinde Wartau aufkommen.

Die Pumpwerke und Druckleitungen können sehr einfach in zwei aufeinander folgenden Etappen erstellt wer­den, da während der Bauzeit die bestehende Infrastruktur ohne Behinderung weiter betrieben werden kann. In der 3. Etappe erfolgt die Umnutzung der ARA Wartau. Die Investitionskosten für den Zusammenschluss glie­dern sich wie folgt:

Etappe 1CHF 4'754'00
Pumperk Seidenbaum 
baulicher TeilCHF 404'000
Elektromechanische AusrüstungCHF 540'000
ElektroanlagenCHF 335'000
Druckleitung PW Seidenbaum - ARA SargansCHF 3'475'000
Etappe 2CHF 1'005'000
Pumpwerk ARA 
Baulicher TeilCHF 210'000
Elektromechanische AusrüstungCHF 165'000
ElektronanlagenCHF 220'000
Druckleitung PW ARA - PW SeidenbaumCHF 410'000
Etappe 3CHF 90'000
Teilrückbau ARA Wartau 
Rückbau Elektromechanische AusrüstungCHF 90'000
Total Anschluss ARA Sargans (exkl. MWST)CHF 7'890'000
A baulicher TeilCHF 4'434'000
B Elektromechanischer TeilCHF 860'000
C Elektroanlagen (EMSR)CHF 555'000
Unvorhergesehenes, 15%CHF 880'000
Projektierung (alle Fachplaner)CHF 1'161'000

Das Projekt und die technische Umsetzung

In einer ersten Phase wurde geprüft, ob es Sinn macht, die höher gelegenen Orte wie Malans und Oberschan mit Freispiegelleitungen ohne Pumpstationen direkt an die ARA Sargans anzuschliessen und so Energie zu sparen. Der Trüebbach und der Schollberg versperren aber den Weg für machbare und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen.

Es wurden verschiedene Linienführungen und verschiedene Anzahl Pumpwerke geprüft.

Die geeignetste Linienführung für die Druckleitung führt entlang des Bahndamms, mit Ausnahme einer kurzen Strecke in Trübbach.

Aus der Struktur des Einzugsgebietes mit zwei grösseren Teileinzugsgebieten ergeben sich zwei Varianten für die Anzahl der Pumpwerke.

  • Ein zentrales Pumpwerk auf der ARA Wartau
  • Zwei Pumpwerke, eines beim RB Seidenbaum und eines auf der ARA Wartau.

Die Hauptabwassermenge von ca. 75% (Oberschan, Malans, Azmoos und Trübbach) fliesst bereits beim Re­genbe­cken Seidenbaum zusammen. Aus diesem Grund wurde die 2. Variante gewählt.

In den folgenden Abschnitten werden die beiden Pumpenstufen genauer beschrieben.

Pumpwerk Seidenbaum

Wie oben erwähnt, fliesst die Hauptwassermenge beim Hebewerk und Regenbecken Seidenbaum zusam­men. Das bestehende Hebewerk hat zwei Schneckenpumpen mit einer Förderleistung von je 84 l/s, die abwechselnd in Betrieb sind. Eine dritte Förderschnecke beschickt bei grösseren Zuflüssen das Regenbe­cken. Sie hat eine Förderleistung von 800 l/s.

Ein Umbau des bestehenden Bauwerks Seidenbaum wäre wegen der Form und des sehr hohen Grund­was­serspiegels sehr aufwendig und teuer. Dazu käme während der Bauzeit ein aufwendiges Provisorium. Daher wird das Hebewerk belassen und das Wasser anschliessend dem neuen Pumpwerk zugeführt, wel­ches seitlich des bestehenden Hebe­werks erstellt wird. So kann auf ein aufwendiges Provisorium verzich­tet wer­den. Die Schneckenpumpen wurden vor einigen Jahren revidiert. Das bestehende Bauwerk funkti­oniert ein­wandfrei. Zum Schutz der neuen Förderpumpen vor Steinen, Kies und zu Verstopfungen führen­den Fremd­stoffen soll das Pumpwerk mit einem belüfteten Kiesfang und einer Rechenanlage ausgerüstet werden. Dadurch können auch Pumpen mit einem besseren Wirkungsgrad eingesetzt werden. Es werden 3 Tauch­motorpumpen mit einer Förderleistung von je 42 l/s eingesetzt. Zwei Pumpen sind in Be­trieb und fördern je in eine Druckleitung DN 250. Die dritte Pumpe ist redundant. Für die Studie wurden Pumpen ausgewählt, welche die geforderten 42 l/s sowie auch den Trockenwetteranfall von rund 24 l/s in einem relativ guten Betriebspunkt fördern können. Die minimale Fördermenge der Pumpen beträgt ca. 15 l/s. Gegen einen mög­lichen Druckschlag werden die Pumpen mit einer Schwungmasse ausgerüstet.

Der Pumpensumpf ist mit einer Überlaufleitung ins Regenbecken ausgerüstet. Die Schaltschränke für sämt­li­che Maschi­nen und Aggregate werden im bestehenden Gebäude installiert.

Pumpwerk ARA Wartau

Es wurden verschiedene Umbauvarianten und Standorte auf dem ARA-Areal geprüft, wobei es sich zeigte, dass die einfachste und wirtschaftlichste Lösung die weitere Nutzung des Hebewerks und Rechengebäude ist.

Um die Verstopfungsgefahr zu reduzieren, muss das Abwasser gesiebt oder die Grobstoffe mittels Zer­klei­nerer ge­häckselt werden. Zudem soll nebst dem bestehenden Speicherkanal noch zusätzlicher Spei­cher­raum geschaffen wer­den, um den Pumpbetrieb optimieren zu können.

Im Hebewerk wird eine neue Kompakt-Schneckenpumpe (Ø 400 mm) mit einer maximalen Förderleistung von 20 l/s eingebaut. Dies kann sehr einfach erfolgen, da beim Bau des Hebewerks im Jahr 1976 Platz für eine 3. Schnecken­pumpe erstellt wurde. Die vorhandenen Schneckenpumpen werden bei Wartungs- und Unterhaltsarbeiten weiter ge­nutzt. Mit dieser Lösung kann zudem die im August 2016 ersetzte Rechenan­lage mit Rechengutwaschpresse weiter genutzt werden. Der hintere Teil des Rechengebäudes und der Sandfang werden zum eigentlichen Pumpwerk mit zusätzlichem Speichervolumen von ca. 70 bis 100 m3 umgebaut. Es werden 3 Tauchmotorpumpen mit einer Förder­leistung von je 8 l/s eingesetzt. Zwei sind in Betrieb und fördern je in eine Druckleitung DN 110, die dritte ist redundant.

Die heutige Hochwasserentlastung RA 2 vor der ARA wird nur noch als Notentlastung verwendet. Zukünftig wird sämt­liches Abwasser durch die Rechenanlage und das Speicherbecken beim Pumpwerk geleitet. Die­ses verfügt über eine Hochwasserentlastung. Somit wird nur "vorgereinigtes" Abwasser entlastet.

Druckleitung Pumpwerk ARA Wartau - Pumpwerk Seidenbaum

Nach dem Abtrennen des oberen Teils des ARA-Einzugsgebietes nimmt die Zuflussmenge beim Hebewerk stark ab. Sie beträgt somit im Maximum rund 21 l/s, bei TW lediglich rund 6 l/s. Das Hebewerk hat zwei Schneckenpumpen mit einer Förderleistung von je 84 l/s.

Der Zulaufkanal DN 700 vom Hebewerk Seidenbaum bis zur ARA Wartau wird heute als Speicherkanal (V=120m3) genutzt. Zukünftig wird nur noch der untere durchflossene Teil, rund 750 m, genutzt. Der obere Teil wird als Leerrohr für die Druckleitungen verwendet. Da die Durchflussmenge deutlich geringer ist, bleibt das Speichervolumen etwa gleichgross. Die beiden erdverlegten Druckleitungen führen vom neuen Pump­werk ARA Wartau via Araweg und Bahn­weg ca. 750 m Richtung Trübbach. Nach der Unterquerung des Bahndamms werden die Leitungen in den bestehenden Speicherkanal (DN 600) eingezogen bis zum Pump­werk Seidenbaum.

Die Leitung hat einige Hoch- und Tiefpunkte, welche mittels Be-/Entlüftungsventilen ausgerüstet werden müssen.

Druckleitung Seidenbaum - ARA Sargans

Die beiden Druckleitungen unterqueren nach dem Pumpwerk den Bahndamm und verlaufen anschliessend am Rande der Bahnstrasse, bis diese in die Fährhüttenstrasse mündet, dann in der Fährhüttenstrasse bis zur Brücke über den Saarkanal (Unterführung A 13). Auf den nächsten 120 m werden die Leitungen an der Ufermauer des Saarkanals aufgehängt. Um Frostprobleme zu vermeiden, werden sie in diesem Be­reich isoliert. Anschliessend führen die Leitun­gen erdverlegt bis zum Trübbach. Dieser wird mittels Hori­zontalboh­rung bis zum Sportplatz unterquert. Von hier ver­läuft die Leitung im Radweg Trübbach-Sargans und an­schliessend im Hohwandweg parallel zum Bahndamm bis zur ARA Sargans. Die Einleitung erfolgt in den Kanal nach dem Hebewerk, damit das Wasser nicht ein zweites Mal ge­pumpt werden muss. Die Leitung hat einige Hoch- und Tiefpunkte, welche mittels Be-/Entlüftungsventilen ausgerüstet werden müs­sen.

Die Leitungen werden in der Strasse oder am Strassenrand verlegt. Es sollte fast überall möglich sein, die Leitung über dem Grundwasserspiegel zu verlegen. Parallel zu den beiden Druckleitungen werden zwei Kabelschutzrohre (KSR) DN 100 für die Steuerkabel verlegt.


Bauablauf

Die Pumpwerke und Druckleitungen können in zwei aufeinander folgenden Etappen erstellt werden, da wäh­rend der Bauzeit die bestehende Infrastruktur ohne Behinderung weiter betrieben werden kann. In der 3. Etappe erfolgen die Umnutzung und teil­weiser Rückbau der bestehenden ARA Wartau.

Bau-Etappe 1

Die Druckleitung Pumpwerk Seidenbaum zur ARA Sargans kann gleichzeitig mit dem Pumpwerk Seiden­baum erstellt wer­den. Die Druckleitung führt grösstenteils entlang von Wegen mit wenig Verkehr und Werk-
­leitungen, sodass beim Bau keine grösseren Behinderungen auftreten.

Der Anschluss des Hebewerks an das neue Pumpwerk erfolgt mittels Schacht, welcher um die best. Lei­tung nach dem Hebewerk erstellt wird.

Der Abschluss der Kapazitätserweiterung der ARA Sargans ist Voraussetzung für den Anschluss der ARA Wartau. Der Zulauf zur ARA Wartau nimmt am Ende der Bau-Etappe 1 bei der Inbetriebnahme des Pumpwerk Sei­denbaum stark ab, da wie bereits erwähnt rund 75 % des Einzugsgebietes zur ARA Sargans gepumpt wer­den können. Zudem liegen bereits heute die Zuflüsse zur ARA bei TW bei rund 20 l/s. Deshalb sollte die 3. Schneckenpumpe mit einer Förderleistung von 20 l/s beim ARA-Hebewerk bereits möglichst früh eingebaut werden.

Bau-Etappe 2

Die erdverlegten Druckleitungen von der ARA Wartau bis zum Schacht WMK 010.00 können einfach aus­geführt werden.

Für den Einzug der Leitungen in den oberen Teil des bestehenden Speicherkanals muss die Etappe 1 ab­geschlossen sein, damit kein Abwasser mehr fliesst. Der Umbau des Rechengebäudes und des Sandfangs zum Pumpwerk Wartau mit Speicherbecken kann gleichzeitig mit der Druckleitung erfolgen. Das Abwasser wird nach dem Rechen durch einen Bypass am Sandfang vorbeigeführt, so dass dieser umgebaut werden kann.

Bau-Etappe 3

Nach der Inbetriebnahme des Pumpwerks Wartau mit Speicherbecken kann mit dem Um- und/oder Rück­bau der ARA be­gonnen werden.

Die Ausführungsdauer der Etappen 1 und 2 mit Bau, Ausrüstung und Elektroinstallationen beträgt je ca. ein Jahr. Die Dauer der Etappe 3 ist abhängig vom Um- und/oder Rückbauprojekt.